Am 6. September 2026 entscheidet Sachsen-Anhalt über die Zusammensetzung eines neuen Landtags. Nach den aktuellen Umfragen liegt die AfD mit etwa 40 bis 42 Prozent deutlich vorn, während die CDU auf rund 22 bis 24 Prozent kommt. Diese Zahlen sind allerdings nur eine Momentaufnahme und kein Wahlergebnis. Bis zum Wahltag können sich Abstände verändern, kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern oder zusätzliche Mandate die Sitzverteilung beeinflussen.
Ein hoher Stimmenanteil führt zudem nicht automatisch zu einer Regierungsmehrheit. Im Landtag werden 41 Direktmandate und im Regelfall 42 weitere Sitze über Landeslisten vergeben; für eine Mehrheit zählt deshalb die konkrete Sitzverteilung, nicht allein der prozentuale Vorsprung. Bei einem Ergebnis von etwa 40 bis 42 Prozent käme die AfD nach einer groben proportionalen Rechnung auf rund 33 bis 35 der regulär 83 Sitze und bliebe damit voraussichtlich unter der Mehrheit.
Damit steht nach der Wahl eine politische und rechtliche Frage im Mittelpunkt: Kann die AfD allein regieren, braucht sie einen Koalitionspartner oder entsteht eine Mehrheit gegen sie? Entscheidend sind dabei nicht nur das Abschneiden von CDU, SPD, Grünen und Linken, sondern auch die Bereitschaft dieser Parteien, miteinander oder mit der AfD zusammenzuarbeiten. Welche Mehrheiten im Landtag tatsächlich möglich wären, hängt deshalb erst vom Wahlergebnis und der daraus folgenden Sitzverteilung ab.
Ein AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: Warum die stärkste Partei nicht automatisch regiert
Ein Wahlsieg bezeichnet zunächst nur das Ergebnis im Vergleich zu den anderen Parteien. Gewinnt die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die meisten Stimmen oder Sitze, ist sie stärkste Kraft. Daraus folgt jedoch noch kein Anspruch auf die Staatskanzlei und keine automatische Mehrheit für einen Ministerpräsidenten.
Für die Regierungsbildung zählt eine andere Frage: Verfügt eine Partei oder ein Bündnis über genügend Sitze, um im Landtag einen Ministerpräsidenten zu wählen und zentrale Entscheidungen zu treffen? Zwischen dem ersten Platz und einer regierungsfähigen Mehrheit liegt deshalb ein erheblicher Unterschied.

Wahlsieg und relative Mehrheit sind nicht dasselbe wie eine Regierung
Von einer relativen Mehrheit spricht man, wenn eine Partei mehr Stimmen oder Sitze erhält als jede andere einzelne Partei. Sie liegt damit vorne, erreicht aber nicht zwingend mehr als die Hälfte des Parlaments. Eine Partei kann also einen deutlichen Wahlsieg erringen und trotzdem auf Partner angewiesen sein.
Das ist der entscheidende Punkt bei einem möglichen AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Erreicht die AfD beispielsweise 40 Prozent der Stimmen, hätte sie nach einer proportionalen Sitzverteilung wahrscheinlich deutlich mehr Mandate als die CDU und jede andere Partei. Für eine Alleinregierung würde dieser Anteil jedoch nicht ausreichen. Dafür müsste sie mehr als die Hälfte der gültigen Sitze im Landtag kontrollieren.
Auch die stärkste Fraktion stellt den Ministerpräsidenten nicht automatisch. In Sachsen-Anhalt wählt der Landtag den Regierungschef in geheimer Abstimmung. Im ersten Wahlgang braucht ein Kandidat die Mehrheit der Mitglieder des Landtags, nicht lediglich die meisten abgegebenen Stimmen. Die Landesverfassung Sachsen-Anhalts legt das Verfahren in Artikel 65 fest.
Eine relative Mehrheit kann politisch trotzdem Gewicht haben. Die stärkste Partei erhält meist den ersten Auftrag zur Sondierung und kann versuchen, eine Koalition zu bilden. Rechtlich entsteht daraus aber keine Verpflichtung der anderen Parteien, sie an der Regierung zu beteiligen.
Absolute Mehrheit: Die entscheidende Zahl im Landtag
Die absolute Mehrheit liegt bei mehr als der Hälfte der Mitglieder eines Parlaments. Sie wird nicht anhand der Wahlbeteiligung und auch nicht allein anhand des Stimmenanteils berechnet. Maßgeblich ist die endgültige Zahl der Sitze.
Der Landtag von Sachsen-Anhalt umfasst mindestens 83 Abgeordnete. Grundlage sind 41 Direktmandate aus den Wahlkreisen und mindestens 42 Mandate, die über die Landeslisten vergeben werden. Das Wahlsystem folgt dabei dem Verhältnis der Parteistimmen, während die Direktmandate über die Wahlkreise hinzukommen. Eine Übersicht der Landeswahlleiterin zum Wahlsystem beschreibt diese Zusammensetzung und die Regeln für die Sitzverteilung.
Die Zahl 83 ist allerdings keine feste Obergrenze. Gewinnt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr nach dem Stimmenanteil zustehen, entstehen Überhangmandate. Andere Parteien erhalten dann Ausgleichsmandate, damit das Verhältnis der Sitzanteile wieder möglichst genau dem Wahlergebnis entspricht. Dadurch kann der Landtag größer werden.
Als verständliches Rechenbeispiel eignet sich die Größe des Landtags nach der Wahl 2021. Damals gehörten dem Parlament 97 Abgeordnete an. Die absolute Mehrheit lag damit bei mindestens 49 Sitzen:
- Bei 83 Sitzen wären mindestens 42 Mandate erforderlich.
- Bei 97 Sitzen wären mindestens 49 Mandate erforderlich.
- Bei 101 Sitzen würde die Mehrheit bei 51 Sitzen liegen.
Die Sitzverteilung nach der Wahl 2026 kann deshalb nicht allein aus einem Prozentwert abgeleitet werden. Erst wenn feststeht, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden, wie viele Direktmandate sie gewinnen und ob Überhang- oder Ausgleichsmandate entstehen, lässt sich die genaue Mehrheit bestimmen.
Koalitionsmehrheit und politische Handlungsfähigkeit
Erreicht die stärkste Partei keine absolute Mehrheit, kommt eine Koalitionsmehrheit in Betracht. Dafür schließen sich mindestens zwei Fraktionen zusammen und verfügen gemeinsam über mehr als die Hälfte der Sitze. Eine solche Mehrheit ermöglicht in der Regel die Wahl des Ministerpräsidenten und die Verabschiedung zentraler Gesetze.
Die rechnerische Möglichkeit allein reicht jedoch nicht aus. Parteien müssen auch politisch zusammenarbeiten wollen. Ein Bündnis kann über 49 von 97 Sitzen verfügen und trotzdem scheitern, wenn es keine gemeinsame Regierungserklärung, keinen Haushalt oder keine verlässlichen Abstimmungen zustande bringt.
Daher ist zwischen einer rechnerischen und einer konstruktiven politischen Handlungsfähigkeit zu unterscheiden. Rechnerisch handlungsfähig ist ein Bündnis, wenn es über genügend Mandate verfügt. Politisch handlungsfähig ist es erst, wenn die beteiligten Fraktionen dauerhaft gemeinsame Entscheidungen treffen können.
Das betrifft vor allem den Landeshaushalt. Ohne einen beschlossenen Etat bleiben viele Vorhaben blockiert oder können nur eingeschränkt umgesetzt werden. Ebenso braucht eine Regierung verlässliche Mehrheiten für Gesetzesänderungen, Personalentscheidungen und die parlamentarische Kontrolle ihrer eigenen Politik.
Eine Koalition muss deshalb mehr leisten als die einmalige Wahl des Ministerpräsidenten. Sie braucht Absprachen über zentrale Vorhaben, einen verlässlichen Umgang mit Konflikten und ausreichende Disziplin bei wichtigen Abstimmungen. Minderheitsregierungen können ebenfalls regieren, müssen für jedes Vorhaben jedoch wechselnde Mehrheiten organisieren.
Was ein AfD-Wahlsieg praktisch bedeuten würde
Bei einem Wahlsieg der AfD wären mehrere Szenarien denkbar. Sie könnte die absolute Mehrheit erreichen und allein regieren. Sie könnte stärkste Fraktion werden, aber eine Koalition benötigen. Oder sie könnte trotz des ersten Platzes keine Partner finden und in der Opposition bleiben.
Für die Bewertung zählt deshalb nicht nur der Abstand zur CDU oder zu anderen Parteien. Entscheidend sind die Mandate aller Fraktionen und deren politische Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Eine Mehrheit gegen die stärkste Partei kann aus mehreren kleineren Fraktionen bestehen, sofern diese gemeinsam mehr als die Hälfte der Sitze erreichen und einen gemeinsamen Ministerpräsidenten wählen.
Fällt der erste Wahlgang ohne absolute Mehrheit aus, folgt in Sachsen-Anhalt ein weiteres verfassungsrechtliches Verfahren. Scheitern auch danach Mehrheitsentscheidungen, kann die Frage einer vorzeitigen Beendigung der Wahlperiode entstehen. Die Verfassung sieht anschließend einen weiteren Wahlgang vor, in dem unter bestimmten Bedingungen die Mehrheit der abgegebenen Stimmen genügt.
Damit steht die Regierungsbildung nach einem AfD-Wahlsieg auf zwei Ebenen zur Entscheidung. Zuerst geht es um die amtliche Sitzverteilung. Danach geht es um politische Mehrheiten, die tatsächlich tragen. Die genaue Schwelle für eine absolute Mehrheit steht daher erst fest, wenn das amtliche Wahlergebnis und die endgültige Zahl der Landtagssitze vorliegen.
Welche Mehrheiten im Landtag nach der Wahl tatsächlich möglich wären
Die aktuellen Umfragen sprechen für einen klaren Vorsprung der AfD, aber nicht für eine sichere Alleinregierung. Für die Regierungsbildung zählt am Ende die Zahl der Sitze. Deshalb lassen sich mögliche Bündnisse sinnvoller in Korridoren als mit einer scheinbar exakten Sitzprognose beschreiben.
Die folgende Rechnung nutzt 97 Sitze als anschauliches Modell. Diese Zahl ist keine Vorhersage für die tatsächliche Größe des Landtags. Sie soll zeigen, welche Mehrheiten sich aus den derzeitigen Kräfteverhältnissen ergeben könnten. Bei 97 Sitzen wären 49 Mandate für eine absolute Mehrheit erforderlich.
Die zugrunde gelegten Umfragebereiche liegen bei etwa 40 bis 42 Prozent für die AfD, 22 bis 24 Prozent für die CDU, 11 bis 13 Prozent für die Linke, 6 bis 9 Prozent für die SPD und 5 bis 6 Prozent für die Grünen. BSW und FDP liegen meist unter der Fünf-Prozent-Hürde. Einen Überblick über die veröffentlichten Umfragen bietet die Umfrageübersicht für Sachsen-Anhalt.
AfD allein: Rechnerisch kaum erreichbar
Selbst bei 42 Prozent wäre die AfD in einem Modell mit 97 Sitzen nicht automatisch bei 49 Mandaten. Wenn fünf Parteien in den Landtag einziehen, läge die AfD je nach genauer Stimmenverteilung ungefähr in einem Korridor von 43 bis 48 Sitzen.
Die Schwankung entsteht, weil sich die Sitze nur auf Parteien verteilen, die tatsächlich Mandate erhalten. Scheitern BSW und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde, steigen die Sitzanteile der übrigen Parteien. Treten dagegen sechs oder sieben Fraktionen an, sinkt der Anteil der AfD am Parlament.
Eine Alleinregierung wäre in diesem Modell deshalb rechnerisch nur am oberen Rand denkbar, politisch aber nicht als wahrscheinliches Ergebnis einzustufen. Dafür müsste die AfD nicht nur den oberen Umfragewert erreichen. Zugleich müssten mehrere andere Parteien schwächer abschneiden oder an der Sperrklausel scheitern.
Praktisch ausgeschlossen wäre eine AfD-Mehrheit, wenn BSW oder FDP den Einzug schaffen. Dann würden zusätzliche Sitze auf kleinere Fraktionen entfallen. Die AfD könnte zwar stärkste Kraft bleiben, hätte aber noch größere Schwierigkeiten, die Schwelle von 49 Mandaten zu überschreiten.
Bündnisse mit der AfD: Mandatsmehrheiten ohne politische Grundlage
Mit einem Partner würde die AfD in fast allen Varianten eine Mehrheit erreichen. Schon AfD und CDU kämen im 97-Sitze-Modell gemeinsam auf etwa 65 bis 75 Mandate. Auch Bündnisse mit der SPD, den Grünen oder der Linken könnten je nach Ergebnis über 49 Sitze erreichen.
Die politische Einstufung fällt jedoch deutlich anders aus:
- Eine Koalition aus AfD und CDU wäre rechnerisch sicher möglich, politisch aber nach den derzeit bekannten Abgrenzungen praktisch ausgeschlossen.
- AfD und SPD hätten voraussichtlich eine Mehrheit, gelten politisch jedoch als ausgeschlossen.
- AfD und Grüne könnten rechnerisch regieren, sind als Bündnis politisch ausgeschlossen.
- AfD und Linke würden ebenfalls auf eine klare Sitzmehrheit kommen, sind politisch nicht plausibel.
- Eine Regierung aus AfD und BSW wäre nur möglich, wenn das BSW den Einzug schafft. Auch diese Verbindung erscheint nach den bisherigen politischen Positionierungen nicht plausibel.
Eine rechnerische Mehrheit sagt in diesen Fällen wenig über die Regierungsbildung aus. Die CDU hat eine Zusammenarbeit mit der AfD wiederholt ausgeschlossen. Auch SPD, Grüne und Linke lehnen eine Koalition mit ihr ab. Die Berichterstattung über mögliche Koalitionsoptionen trennt deshalb zwischen mathematisch möglichen und politisch realistischen Bündnissen.
Eine AfD-Fraktion kann im Landtag die stärkste Kraft sein und trotzdem ohne Partner bleiben, wenn alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit ablehnen.
Für die AfD wäre damit ein Wahlsieg nicht gleichbedeutend mit einer Regierungsbeteiligung. Sie könnte die meisten Sitze gewinnen, während eine Mehrheit gegen sie mehrere kleinere Fraktionen umfasst.
CDU, SPD und Grüne: Das klassische Bündnis reicht voraussichtlich nicht
Eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen wäre eines der naheliegenden Modelle ohne Beteiligung der AfD. Im 97-Sitze-Szenario kämen die drei Parteien jedoch voraussichtlich nur auf etwa 34 bis 45 Mandate.
Damit bliebe das Bündnis meist unter der erforderlichen Mehrheit von 49 Sitzen. Selbst bei günstigen Ergebnissen für alle drei Parteien wäre der Abstand knapp oder die Mehrheit würde nur am oberen Rand des Korridors erreicht. Das Modell hängt deshalb stark davon ab, ob die CDU nahe 24 Prozent kommt, die SPD den oberen Bereich ihrer Spanne erreicht und die Grünen sicher über 5 Prozent liegen.
Die Einstufung lautet: rechnerisch in einzelnen Konstellationen möglich, politisch plausibel, praktisch aber unsicher. Eine stabile Regierung könnte daraus nur entstehen, wenn die Sitzverteilung günstiger ausfällt als der mittlere Umfragetrend.
Besonders wichtig ist die Fünf-Prozent-Hürde bei den Grünen. Erreichen sie nur knapp 5 Prozent oder scheitern sie, verändert sich die Sitzverteilung sofort. Ein Scheitern würde zwar die Sitze der anderen Parteien erhöhen, zugleich fiele aber ein möglicher Koalitionspartner weg.
CDU, Linke und SPD: Eine Mehrheit mit großer politischer Hürde
Ein Bündnis aus CDU, Linker und SPD hätte im Modell einen breiteren Sitzkorridor. Je nach Stimmenverteilung wären etwa 40 bis 53 Mandate möglich. Die absolute Mehrheit läge damit innerhalb des rechnerischen Bereichs.
Am unteren Rand bliebe das Bündnis deutlich unter 49 Sitzen. Am oberen Rand könnte es eine knappe Mehrheit erreichen, wenn CDU, Linke und SPD jeweils vergleichsweise stark abschneiden. Eine stabile Mehrheit wäre daher keineswegs garantiert.
Politisch wäre eine solche Verbindung schwer vorstellbar, aber nicht in derselben Weise ausgeschlossen wie ein Bündnis mit der AfD. Die CDU und die Linke stehen in zentralen Fragen weit auseinander. Hinzu käme die Frage, ob die SPD bei einem Ergebnis zwischen 6 und 9 Prozent überhaupt genug Mandate für eine tragende Rolle erhielte.
Die Einstufung lautet: rechnerisch möglich, politisch wenig plausibel und als stabile Koalition sehr unsicher. Sollte die CDU keine andere Mehrheitsoption finden, könnte ein solches Modell dennoch in Sondierungen auftauchen. Dafür müssten die beteiligten Parteien jedoch erhebliche programmatische Konflikte überbrücken.
CDU, Linke und Grüne: Eine knappe und unsichere Option
Auch CDU, Linke und Grüne könnten zusammen eine Mehrheit erreichen, allerdings nur unter günstigen Bedingungen. Im 97-Sitze-Modell läge das Bündnis ungefähr bei 39 bis 50 Sitzen.
Der untere Bereich entsteht, wenn die CDU bei 22 Prozent bleibt, die Linke nahe 11 Prozent liegt und die Grünen nur knapp über die Sperrklausel kommen. Eine Mehrheit wäre erst am oberen Ende des Korridors erreichbar. Dafür müssten alle drei Parteien eher gute Ergebnisse erzielen.
Politisch wäre dieses Bündnis nicht ausgeschlossen, aber wenig plausibel. Zwischen CDU und Linken liegen erhebliche Unterschiede bei Wirtschafts-, Innen- und Gesellschaftspolitik. Die Grünen könnten als zusätzlicher Partner eine Mehrheit ermöglichen, würden die Koalitionsverhandlungen aber nicht vereinfachen.
Eine solche Regierung wäre zudem auf jedes einzelne Mandat angewiesen. Schon ein Ausgleichsmandat weniger oder ein knappes Verfehlen der Grünen könnte die Mehrheit wieder beseitigen. In einem größeren Landtag mit 97 Sitzen bliebe das Bündnis deshalb besonders empfindlich gegenüber der endgültigen Sitzverteilung.

Vier Parteien gegen die AfD: Rechnerisch am ehesten stabil
Wenn CDU, SPD, Grüne und Linke gemeinsam eine Regierung bilden würden, läge ihre Sitzspanne im Modell ungefähr zwischen 45 und 57 Mandaten. Eine absolute Mehrheit wäre damit wahrscheinlicher als bei jedem Dreierbündnis ohne AfD.
Politisch wäre ein solches Bündnis rechnerisch gut möglich, aber nur bedingt plausibel. Die vier Parteien trennen erhebliche Unterschiede. Besonders zwischen CDU und Linker sowie zwischen CDU und Grünen wären umfangreiche Vereinbarungen nötig. Auch die SPD könnte in diesem Modell eher als kleiner Partner auftreten, obwohl sie für die Mehrheit entscheidend wäre.
Eine Vierparteienregierung hätte außerdem eine hohe Konfliktanfälligkeit. Je mehr Fraktionen beteiligt sind, desto schwieriger werden gemeinsame Haushaltsentscheidungen und einheitliche Abstimmungen. Die Mehrheit könnte zwar auf dem Papier komfortabel wirken, wäre im Alltag aber von einer schriftlich festgelegten Kooperationsstruktur abhängig.
Sollten BSW oder FDP in den Landtag einziehen, würde sich auch dieses Modell verändern. Die zusätzlichen Fraktionen könnten eine rechnerische Mehrheit der vier Parteien verkleinern. Zugleich würden sie neue Möglichkeiten für eine Minderheitsregierung oder wechselnde Abstimmungen eröffnen.
Minderheitsregierung und wechselnde Mehrheiten
Bleibt jedes Bündnis mit fester Mehrheit politisch blockiert, könnte eine Minderheitsregierung entstehen. Dafür bräuchte die stärkste oder eine andere koalitionsfähige Fraktion keinen dauerhaften Partner, sondern Unterstützung bei einzelnen Abstimmungen.
Eine CDU-geführte Minderheitsregierung könnte etwa versuchen, mit wechselnden Stimmen von SPD, Grünen oder Linken einen Haushalt zu verabschieden. Eine AfD-geführte Minderheitsregierung wäre theoretisch ebenfalls möglich, wenn der Ministerpräsident gewählt würde und andere Fraktionen sich zumindest enthalten. Nach den aktuellen politischen Abgrenzungen erscheint dieses Szenario jedoch äußerst unwahrscheinlich.
Minderheitsregierungen bleiben besonders beim Haushalt verwundbar. Jede größere Entscheidung verlangt neue Gespräche, und der politische Preis einzelner Abstimmungen kann hoch sein. Eine bloße Wahl des Ministerpräsidenten würde daher keine dauerhafte Regierungsfähigkeit garantieren.
Das wahrscheinlichste Ergebnis der derzeitigen Sitzkorridore ist deshalb keine eindeutige Koalition, sondern ein enges Ringen um eine Mehrheit ohne AfD-Beteiligung. Eine AfD mit etwa 40 bis 42 Prozent könnte den Landtag klar anführen. Ob sie auch regiert, hinge trotzdem davon ab, ob die übrigen Parteien eine gemeinsame Mehrheit zustande bringen. Die entscheidende Zahl wäre nicht der Abstand zur CDU, sondern die Summe der Sitze, die gegen oder mit der AfD politisch organisiert werden können.
Was ein AfD-Sieg für die Regierungsbildung und den Landtag bedeuten würde
Ein AfD-Wahlsieg würde Sachsen-Anhalt politisch deutlich verändern, selbst wenn die Partei keine Regierung bilden könnte. Die AfD könnte stärkste Fraktion werden, den Landtag prägen und die politische Agenda bestimmen. Der Anspruch auf die Staatskanzlei folgt daraus jedoch nicht automatisch.
Für die Regierungsbildung zählen zwei getrennte Fragen: Welche Fraktion erhält die meisten Sitze, und welche Parteien können gemeinsam eine tragfähige Mehrheit organisieren? Gerade bei einem hohen AfD-Ergebnis könnten diese Antworten auseinanderfallen.
Der Abstand zur Wahl 2021 wäre politisch erheblich
Die Ausgangslage von 2021 zeigt, wie stark sich die Kräfteverhältnisse verschieben könnten. Damals gewann die CDU mit 37,12 Prozent und 40 Sitzen. Die AfD kam auf 20,82 Prozent und erhielt 23 Mandate. Dahinter folgten die Linke mit 12 Sitzen, die SPD mit neun, die FDP mit sieben und die Grünen mit sechs Sitzen. Der Landtag umfasste insgesamt 97 Abgeordnete.
Die CDU konnte anschließend mit SPD und FDP eine Regierung bilden. Dieses Bündnis verfügte zusammen über 56 Sitze und damit über eine klare Mehrheit. Reiner Haseloff blieb Ministerpräsident. Die AfD war zwar zweitstärkste Fraktion, blieb aber ohne Einfluss auf die Regierungsbildung.
Die aktuellen Umfragen zeichnen ein anderes Bild. Die AfD liegt dort meist zwischen 40 und 43 Prozent, die CDU bei etwa 22 bis 26 Prozent. Selbst wenn die endgültigen Zahlen am 6. September 2026 davon abweichen, wäre der Abstand zur Wahl 2021 deutlich. Die AfD könnte ihren Stimmenanteil ungefähr verdoppeln, während die CDU einen großen Teil ihres damaligen Ergebnisses verlieren würde.
Die aktuellen Umfragewerte für Sachsen-Anhalt sind trotzdem keine Sitzverteilung und schon gar kein Wahlergebnis. Ausschlaggebend bleiben die Zweitstimmen, die Direktmandate, die Parteien über der Fünf-Prozent-Hürde und mögliche Ausgleichsmandate.
Eine starke Fraktion erhält politischen Einfluss, aber keine Regierungsgarantie
Als stärkste Fraktion könnte die AfD die Debatten im Landtag stärker bestimmen. Ihr stünden mehr Redezeit, mehr Sitze in den Ausschüssen und ein größeres Gewicht bei der parlamentarischen Kontrolle zu. Sie könnte Anträge einbringen, Untersuchungsausschüsse unterstützen und die Landesregierung bei jeder wichtigen Entscheidung unter Druck setzen.
Auch die Besetzung der Ausschüsse würde an Bedeutung gewinnen. Dort werden Gesetzentwürfe beraten, bevor das Plenum entscheidet. Eine große AfD-Fraktion könnte den Ton in mehreren Ausschüssen setzen, selbst wenn sie bei Abstimmungen keine Mehrheit hätte.
Ihre Rolle bliebe trotzdem die einer Oppositionsfraktion, sofern keine andere Partei mit ihr kooperiert. Die stärkste Fraktion kann keine Gesetze allein beschließen. Sie kann auch keinen Ministerpräsidenten einsetzen, wenn ihr die erforderlichen Stimmen fehlen.
Das Landtagspräsidium folgt ebenfalls nicht automatisch dem Wahlergebnis. Die Abgeordneten wählen den Präsidenten und die weiteren Mitglieder des Präsidiums. Die stärkste Fraktion kann einen Anspruch auf ein Amt politisch geltend machen, muss dafür aber Mehrheiten im Parlament finden.
Ein erster Platz verschafft einer Fraktion Sichtbarkeit und parlamentarisches Gewicht. Er ersetzt keine Mehrheit für Regierung, Haushalt und Gesetze.
Der Unterschied wäre für die AfD besonders sichtbar, wenn sie etwa 40 Prozent der Stimmen erhielte, aber nur rund 40 bis 45 Prozent der Sitze. Eine solche Fraktion wäre groß genug, um jede Debatte zu prägen. Für eine Alleinregierung fehlten ihr dennoch mehrere Mandate.
Die Wahl des Ministerpräsidenten bleibt der erste Prüfstein
Nach der Wahl muss der Landtag einen Ministerpräsidenten wählen. Im ersten Wahlgang ist die Mehrheit der Mitglieder erforderlich, nicht bloß die größte Zahl der abgegebenen Stimmen. Das bedeutet: Bei 97 Abgeordneten wären 49 Stimmen nötig. Wird der Landtag größer, steigt auch die absolute Mehrheit.
Das Verfahren nach Artikel 65 der Landesverfassung sieht weitere Wahlgänge vor, falls der erste Versuch scheitert. Das Landtagsprotokoll zum Verfahren der Ministerpräsidentenwahl nennt die Mehrheit der Mitglieder ausdrücklich als Voraussetzung für den ersten Wahlgang.
Damit würde ein AfD-Wahlsieg unmittelbar eine politische Entscheidung erzwingen. Entweder findet die AfD einen Partner, oder eine andere Fraktion beziehungsweise ein anderes Bündnis versucht, einen Ministerpräsidenten zu wählen. Die stärkste Fraktion kann diesen Prozess anstoßen, aber nicht allein kontrollieren.
Scheitern mehrere Wahlgänge, entsteht eine offene Regierungskrise. Dann könnten weitere verfassungsrechtliche Schritte folgen. Eine lange Phase ohne klar gewählte Regierung würde die Arbeit des Landtags erschweren, vor allem bei Haushaltsfragen und größeren Gesetzesvorhaben.
Warum eine AfD-geführte Regierung trotz Wahlsiegs unwahrscheinlich bleiben könnte
Nach den derzeit bekannten politischen Abgrenzungen lehnen CDU, SPD, Grüne und Linke eine Koalition mit der AfD ab. Diese Haltung kann sich im Wahlkampf oder nach der Wahl verändern, sie bildet aber die Ausgangslage für die Sondierungen.
Erreicht die AfD keine absolute Mehrheit, bräuchte sie deshalb einen Partner oder zumindest eine verlässliche Duldung. Eine Minderheitsregierung könnte den Ministerpräsidenten stellen, wäre bei jedem Haushalt und bei zentralen Gesetzen jedoch auf Stimmen anderer Fraktionen angewiesen.
Für die übrigen Parteien entstünde dadurch ein ebenso schwieriges Problem. Sie müssten eine eigene Mehrheit organisieren, obwohl die AfD möglicherweise deutlich größer wäre als jede einzelne von ihnen. Ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen und Linken könnte rechnerisch ausreichen, politisch wäre es aber mit erheblichen Konflikten verbunden.
Die CDU müsste dann entscheiden, ob sie eine Regierung mit mehreren Parteien bildet, eine Minderheitsregierung versucht oder die AfD als stärkste Fraktion die Regierungsbildung testen lässt. Jede dieser Optionen hätte Folgen für die politische Stabilität. Eine breite Koalition könnte die AfD aus der Regierung halten, wäre aber bei strittigen Sachfragen schwer zu steuern.
Die AfD könnte den Landtag auch ohne Regierungsbeteiligung verändern
Ein starkes AfD-Ergebnis würde die Arbeit des Landtags nicht nur durch die Sitzverteilung verändern. Die Fraktion könnte Themen setzen, die andere Parteien in ihre Programme und Regierungserklärungen aufnehmen müssten. Das gilt besonders für Migration, innere Sicherheit, kommunale Finanzen und die wirtschaftliche Entwicklung strukturschwacher Regionen.
Als größte Oppositionsfraktion könnte die AfD außerdem mehr Personal und Ressourcen für parlamentarische Kontrolle einsetzen. Kleine Anfragen, Aktuelle Debatten und Untersuchungsausschüsse würden häufiger genutzt werden. Dadurch könnte die Landesregierung auch dann unter permanentem Rechtfertigungsdruck stehen, wenn die AfD keinen Koalitionspartner findet.
Die anderen Fraktionen müssten zugleich klären, wie sie mit AfD-Anträgen umgehen. Eine pauschale Ablehnung kann politisch ebenso problematisch sein wie eine Zustimmung zu einzelnen Vorhaben. Entscheidend wäre daher, ob Parteien Sachanträge getrennt von ihrer Urheberschaft bewerten oder jede Zusammenarbeit vermeiden.

Die Regierungsbildung könnte länger dauern als 2021
2021 lagen die Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl vergleichsweise klar. CDU, SPD und FDP verfügten gemeinsam über genügend Sitze und bildeten eine Koalition. 2026 könnte dagegen eine Situation entstehen, in der die stärkste Partei keine Partner findet und die übrigen Parteien nur mit einer ungewöhnlich breiten Vereinbarung regierungsfähig werden.
Die Sitzverteilung hängt dabei stark davon ab, welche kleineren Parteien den Landtag erreichen. In den jüngsten Erhebungen liegen BSW und FDP teilweise unter fünf Prozent, während Grüne, SPD und Linke unterschiedliche Abstände zur Sperrklausel haben. Scheitert eine Partei knapp, verteilen sich ihre Stimmen nicht auf die anderen Fraktionen direkt. Die Sitze werden vielmehr unter den Parteien verteilt, die tatsächlich in den Landtag einziehen.
Genau deshalb dürfen Umfragewerte nicht in ein endgültiges Wahlergebnis übersetzt werden. Ein AfD-Anteil von 41 Prozent kann je nach Zahl der übrigen Fraktionen zu einer anderen Sitzquote führen. Auch Direktmandate und Überhangmandate können die Größe des Landtags verändern.
Die Berichterstattung zum AfD-Vorsprung in Sachsen-Anhalt beschreibt deshalb vor allem eine politische Ausgangslage: Die AfD liegt klar vorn, eine sichere Alleinmehrheit zeichnet sich aber nicht ab. Erst das amtliche Ergebnis zeigt, ob eine rechnerische Mehrheit gegen die AfD möglich ist.
Ein Wahlsieg würde die politische Verantwortung verschieben
Ein AfD-Wahlsieg würde die Parteien außerhalb der AfD stärker in die Verantwortung nehmen. Sie müssten nicht nur eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen, sondern auch erklären, welche eigene Regierung sie an ihre Stelle setzen wollen. Eine gemeinsame Abgrenzung reicht für eine stabile Landesregierung nicht aus.
Für die CDU wäre der Vergleich mit 2021 besonders einschneidend. Sie könnte von der stärksten Regierungspartei zur zweitgrößten Fraktion werden und trotzdem den Auftrag erhalten, eine Mehrheit ohne AfD zu organisieren. Die SPD, die Grünen und die Linke müssten entscheiden, ob sie eine CDU-geführte Regierung unterstützen, selbst Teil einer Koalition werden oder eine Minderheitslösung akzeptieren.
Die AfD wiederum könnte auch ohne Regierungsamt behaupten, das Wahlergebnis werde parlamentarisch nicht umgesetzt. Eine solche Konfliktlinie würde die Regierungsbildung erschweren und die Arbeit des Landtags polarisieren. Rechtlich wäre eine Regierung ohne AfD-Beteiligung trotzdem möglich, sofern sie gewählt wird und über ausreichende Mehrheiten verfügt.
Damit läge die Bedeutung eines AfD-Wahlsiegs nicht allein in der Zahl ihrer Sitze. Entscheidend wäre, ob die übrigen Fraktionen aus ihrer rechnerischen Mehrheit eine politische Vereinbarung machen können. Sachsen-Anhalt könnte nach dem 6. September 2026 deshalb einen Landtag haben, in dem die AfD das Kräfteverhältnis dominiert, ohne die Regierung zu stellen. Die eigentliche Machtfrage würde dann nicht am Wahlsieger entschieden, sondern bei der Wahl des Ministerpräsidenten und den anschließenden Abstimmungen über den Landeshaushalt.
Häufig gestellte Fragen
Nach einem möglichen AfD-Wahlsieg entscheidet sich die politische Zukunft Sachsen-Anhalts nicht allein am Stimmenanteil. Offen bleiben vor allem der genaue Ablauf der Regierungsbildung, die Rolle kleiner Fraktionen und die Frage, wie ein Landtag ohne feste Mehrheit arbeitsfähig bleiben kann.

Wann steht nach der Wahl das amtliche Ergebnis fest?
Das vorläufige Ergebnis wird am Wahlabend nach Schließung der Wahllokale ausgezählt. Es zeigt, welche Parteien voraussichtlich in den Landtag einziehen und wie die Direktmandate verteilt sind, ersetzt aber noch nicht die amtliche Feststellung.
Anschließend prüfen die zuständigen Wahlorgane die Niederschriften aus den Wahlkreisen und Wahlbezirken. Erst mit der amtlichen Endfeststellung steht verbindlich fest, wie viele Sitze jede Partei erhält. Einzelne Nachzählungen, ungültige Stimmen oder knappe Abstände können die Sitzverteilung noch verändern.
Für die Regierungsbildung ist dieser Zeitpunkt besonders wichtig. Vorher lassen sich Koalitionsmodelle nur anhand vorläufiger Zahlen berechnen. Selbst ein kleiner Unterschied bei einer Partei kann darüber entscheiden, ob ein Bündnis die Mehrheit erreicht oder ein Mandat fehlt.
Die novellierten Regeln für den Parlamentsbetrieb zeigen zudem, dass auch organisatorische Vorgaben des Landtags für die Arbeit nach der Wahl eine Rolle spielen können.
Was passiert, wenn keine Partei eine Regierung bilden kann?
Findet keine Partei eine tragfähige Mehrheit, bleibt die bisherige Landesregierung zunächst geschäftsführend im Amt. Sie kann die laufenden Aufgaben weiterführen, verfügt aber politisch über einen engeren Handlungsspielraum als eine neu gewählte Regierung mit eigenem parlamentarischem Auftrag.
Parallel dazu muss der neu gewählte Landtag einen Ministerpräsidenten bestimmen. Scheitert die Wahl in den vorgesehenen Verfahren, entsteht nicht automatisch eine Neuwahl am nächsten Tag. Die Landesverfassung sieht zunächst weitere Abstimmungen und eine Entscheidung über die vorzeitige Beendigung der Wahlperiode vor.
Eine Neuwahl wäre daher an verfassungsrechtliche Voraussetzungen gebunden. Bis dahin könnten Gespräche zwischen den Fraktionen weitergehen, während die geschäftsführende Regierung wichtige Entscheidungen nur eingeschränkt vorbereitet. Für Verwaltung, Kommunen und Haushaltsplanung würde eine solche Phase erhebliche Unsicherheit schaffen.
Politisch könnte auch eine Minderheitsregierung eine Lösung bilden. Sie müsste für jedes größere Vorhaben neue Vereinbarungen schließen und könnte sich nicht auf die Stimmen eines festen Koalitionspartners verlassen.
Kann die AfD trotz eines Wahlsiegs von der Regierungsbildung ausgeschlossen werden?
Eine Partei wird nicht deshalb von der Regierungsbildung ausgeschlossen, weil sie die AfD ist. Entscheidend ist, ob ihr Kandidat die erforderliche Mehrheit im Landtag erhält. Wenn andere Fraktionen keinen Ministerpräsidenten der AfD unterstützen, kann die Partei trotz ihrer Stellung als stärkste Kraft ohne Regierungsamt bleiben.
Das Grundgesetz und die Landesverfassung schreiben keine automatische Beteiligung der stärksten Partei vor. Ebenso wenig verpflichtet das Wahlergebnis CDU, SPD, Grüne oder Linke dazu, eine Koalition mit der AfD zu bilden. Die Fraktionen können politische Zusammenarbeit ablehnen, solange die verfassungsrechtlichen Verfahren eingehalten werden.
Eine Mehrheit gegen die AfD müsste allerdings einen eigenen Kandidaten aufstellen und genügend Stimmen organisieren. Eine reine Vereinbarung, die AfD nicht zu unterstützen, reicht dafür nicht aus. Erst die Wahl eines Ministerpräsidenten schafft eine neue Regierung.
Je größer die AfD-Fraktion ausfällt, desto schwieriger wäre es für die übrigen Parteien, ihre Gegnerschaft in ein gemeinsames Regierungsprogramm zu übersetzen. Sie müssten nicht nur eine Mehrheit gegen die AfD sichern, sondern auch bei Haushalt, Personalentscheidungen und zentralen Gesetzen zusammenarbeiten.
Welche Rolle spielen Direktmandate bei einem AfD-Wahlsieg?
Direktmandate können das Verhältnis zwischen Stimmen und Sitzen verändern. In Sachsen-Anhalt wird in den Wahlkreisen mit der Erststimme über einzelne Kandidaten entschieden, während die Zweitstimme für die Sitzverteilung der Parteien besonders wichtig ist.
Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen, können Überhangmandate entstehen. Damit das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien möglichst erhalten bleibt, kommen Ausgleichsmandate hinzu. Der Landtag kann dadurch größer werden als die gesetzliche Ausgangsgröße.
Für die AfD wäre der Gewinn vieler Wahlkreise deshalb politisch und rechnerisch bedeutsam. Er könnte ihre Zahl an Direktmandaten erhöhen, führt aber nicht automatisch zu einer alleinigen Mehrheit. Ausgleichsmandate können die Gesamtzahl der Abgeordneten ebenfalls vergrößern und damit die absolute Mehrheit nach oben verschieben.
Eine Sitzprognose darf deshalb nicht nur den Prozentwert der AfD betrachten. Sie muss auch berücksichtigen, in welchen Wahlkreisen die Partei vorne liegt und wie stark sich die übrigen Parteien dort gegenseitig Konkurrenz machen.
Was kann eine Minderheitsregierung im Alltag beschließen?
Eine Minderheitsregierung kann grundsätzlich Gesetzentwürfe vorlegen, den Landtag leiten und politische Vorhaben umsetzen. Für die Annahme eines Gesetzes braucht sie jedoch die erforderlichen Stimmen im Parlament. Jede wichtige Abstimmung wird deshalb zu einer eigenen Verhandlung.
Beim Landeshaushalt ist die Abhängigkeit besonders groß. Ohne Etat können Ministerien, Kommunen und öffentliche Einrichtungen viele Ausgaben nicht auf der Grundlage eines neuen Haushaltsplans tätigen. Eine Regierung müsste daher frühzeitig klären, welche Fraktion den Haushalt toleriert oder einzelne Änderungen verlangt.
Auch im Bundesrat könnte eine Minderheitsregierung vor Problemen stehen, wenn sie keine gemeinsame Linie innerhalb des Kabinetts und des Landtags erreicht. Bei einfachen Sachfragen können wechselnde Mehrheiten funktionieren. Bei strittigen Themen steigt jedoch der Druck auf die Regierung, Zugeständnisse an unterschiedliche Fraktionen zu machen.
Die Stabilität hängt deshalb weniger vom Etikett „Minderheitsregierung“ ab als von den schriftlichen und informellen Vereinbarungen dahinter. Eine Duldung durch eine andere Partei kann über längere Zeit tragen, wenn sie klare Regeln für Haushalt, Vertrauensfragen und zentrale Gesetzesvorhaben enthält.
Wie lange kann die Regierungsbildung nach der Wahl dauern?
Eine feste Frist für eine Koalitionsvereinbarung gibt es nicht. Parteien können nach der Wahl Sondierungen aufnehmen, Arbeitsgruppen einsetzen und über ein gemeinsames Programm verhandeln, bevor ein Koalitionsvertrag unterschrieben wird.
Die Wahl des Ministerpräsidenten folgt jedoch einem verfassungsrechtlich geregelten Verfahren. Scheitert der erste Wahlgang, muss innerhalb von sieben Tagen ein neuer Versuch stattfinden. Kommt auch dann keine Mehrheit der Mitglieder des Landtags zustande, muss der Landtag innerhalb weiterer 14 Tage über eine vorzeitige Beendigung der Wahlperiode entscheiden.
Wird eine solche Beendigung nicht beschlossen, folgt unverzüglich ein weiterer Wahlgang. In diesem letzten Schritt genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Dadurch kann auch ein Kandidat gewählt werden, der nicht die Mehrheit aller Landtagsmitglieder hinter sich hat.
Für die Parteien entsteht damit ein klarer Zeitdruck, ohne dass jede Koalitionsfrage sofort entschieden werden müsste. Je länger die Gespräche dauern, desto wichtiger wird die geschäftsführende Landesregierung. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Fraktionen, aus rechnerischen Möglichkeiten eine belastbare politische Vereinbarung zu machen.
Welche Mehrheit nach dem AfD-Wahlsieg möglich bleibt
Die AfD könnte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 mit etwa 40 bis 42 Prozent klar stärkste Kraft werden. Eine absolute Mehrheit wäre damit jedoch nicht sicher erreicht. Selbst ein deutlicher Abstand zur CDU würde nicht automatisch ausreichen, um allein den Ministerpräsidenten zu wählen oder den Landeshaushalt ohne weitere Stimmen zu beschließen. Entscheidend bleibt die endgültige Zahl der Sitze, die unter anderem von Direktmandaten, Ausgleichsmandaten und der Zahl der Fraktionen im Landtag abhängt.
Die CDU bliebe trotz ihres Rückstands die zentrale Partei für mehrere rechnerische Mehrheitsmodelle. Eine Regierung ohne AfD-Beteiligung könnte deshalb vor allem an der Frage scheitern, ob die CDU mit SPD, Grünen und Linken eine gemeinsame Vereinbarung findet. Dreierbündnisse wären je nach Wahlergebnis teilweise möglich, aber knapp. Ein breiteres Bündnis hätte bessere rechnerische Chancen, wäre politisch jedoch schwerer zu organisieren. Eine Minderheitsregierung könnte als Ausweg dienen, müsste sich bei Haushalt und wichtigen Gesetzen aber immer wieder neue Stimmen sichern.
Besonders stark kann sich die Sitzverteilung verändern, wenn Grüne, BSW oder FDP die Fünf-Prozent-Hürde über- oder unterschreiten. Ein Einzug der Grünen würde zusätzliche Sitze im Parlament binden, während das Scheitern von BSW oder FDP die Mandate der übrigen Parteien anteilig vergrößern könnte. Schon wenige Zehntelprozentpunkte können deshalb darüber entscheiden, ob ein Bündnis eine Mehrheit erreicht oder ein Mandat fehlt. Der eigentliche Machtfaktor nach der Wahl ist damit die Fähigkeit, eine belastbare Mehrheit im Landtag zu organisieren, nicht allein der Abstand zum zweitplatzierten Ergebnis.